Freitag, 18. Dezember 2009

Das Eco-Drive-Programm


Wie ich in diesem Blog hin und wieder erwähnte, sind wir Berufsfahrer gesetztlich verpflichtet, eine gewisse Anzahl Weiterbildungen zu absolvieren, um die Genehmigung für gewerbliche Transporte (seien es nun Güter oder Personen) beibehalten zu können. Welche Weiterbildung der Trucker nun besucht, ist ihm selbst überlassen, sofern der Kurs vom ASTRA anerkannt ist.

Neulich hatte ich das Vergügen, an einem Eco-Drive-Kurs teilnehmen zu dürfen. Ich habe schon unzählige Weiterbildungskurse auf dem krummen Buckel und ich darf ruhigen Gewissens an dieser Stelle schriftlich festhalten: Noch nie hat mich ein Kurs derart beeindruckt und überzeugt wie eben besagtes Eco-Drive-Training.

Wieso? Nun, fangen wir mal ganz am Anfang an. Für was steht das "Eco"? Da es englisch geschrieben ist, könnte es sowohl für "Economic-Drive" als auch für "Ecologic-Drive" stehen. Vergessen Sie letzteres. Ökologisch fahren geht gar nicht. Selbst Hybride husten Abgase raus, und wenn sie gerade mit Elektrizität laufen, darf man sich getrost mal fragen, woher der gegenwärtige Saft eigentlich kommt. Aber alles halb so schlimm: Der Anteil des Strassenverkehrs am weltweiten CO2-Aussstoss beträgt gerade mal 0,4%. Um dieses ach so schreckliche Gas zu stoppen, müsste Moritz Leuenberger weltweit die Vulkane verbieten. Allerdings würde uns die dadurch gerettete Erde ziemlich schnell um die Ohren fliegen, weil dann die Überdruckventile des Erdinneren fehlen würden. Der nicht ganz glorreiche Moritz wird dies wohl auch aus einem anderen Grund nicht tun: Woraus lässt sich mehr politisches Kaptial - sprich handfeste Knete - schlagen als beim Bashing des Strassenverkehrs? Die Deppen Autofahrer und Fuhrhalter eignen sich über die Moralkeule CO2 immer wieder bestens als Milchkühe. (Für letztere könnte man doch auch eine Methan-Steuer erheben, oder? Man könnte sie doch Kuhfurzsteuer nennen, Moritz!)

Also geht's ums Ökonomische. Ehrlich gesagt, wir Trucker werden es nie schaffen, die Athmosphäre ultimativ zu vergiften. Aber die Ressourcen an fossilen Brennstoffen sind beschränkt und werden immer knapper. Und umso knapper die werden, umso höher schrauben die Kameltreiber die Ölpreise. Was der Weltwirtschaft immensen Schaden zufügen wird. Nun, auch dies wird nicht vermeidbar sein. Aber umso sparsamer wir mit dem Schnaps umgehen, umso mehr haben die Ingenieure Zeit, für unsere Folgegenerationen Antriebe zu erfinden, welche von Erdöl und damit von den Kameltreibern unabhängig sind. Sofern uns die Vulkane nicht vorher ersticken.

So. Nun zur Praxis. Wie spare ich Schnaps. Ganz einfach. Indem ich mir vorstelle, ein Velofahrer zu sein. Würde ein Velofahrer seine Muskelkraft vergeuden? Indem er bergab auch strampelt? Oder indem er volle Kanne auf die Kreuzung zubrettert, um dann im letzten Moment zu stoppen, Füsse auf den Boden, gucken, und wenn frei, wieder unter grossem Kraftaufwand lostreten? Von diesem Beispiel ausgenommen sind natürlich die Gummistrampelhöschen. Die brettern vollgas auf die Kreuzung, nein, ÜBER die Kreuzung. Der Andere guckt dann schon. Und die strampeln auch bergab. Aber die sind auch mit Doping zugenebelt. An anderer Stelle habe ich mal über diese Gilde geschrieben.

Nun haben Trucks und Busse noch einen entscheidenden Vorteil: Das Gewicht. Einmal auf Reisegeschwindigkeit beschleunigt, kann ich getrost Gas wegnehmen: Meine 40 Tonnen schieben mich meilenweit gratis! Die Energie, welche ich für die Beschleunigung aufwänden muss, steht in keinem Verhältnis zum Gewinn! Wenn ein Trucker vorausschaut, kann er bei einem Rotlicht, einem Kreisel, einem Bahnübergang oder einer Kreuzung so früh vom Gas weg, dass der Truck einige hundert Meter gratis an das Ereignis rollt. Geschickt mit dem Retarder umgegangen, wird nicht mal die Bremsscheibe angewetzt. Man kann das sogar auf den PKW übertragen. Wieso haben wir im Auto die Angewohnheit, bis zum Bremsvorgang an einer Kreuzung stur auf dem Gas zu bleiben? Wieso gucken wir nicht einfach ein bisschen weiter voraus und lassen das Auto dann rollen? Naja, weils halt nicht so lässig-sportlich tönt und aussieht.

So, und nun üben wir das mal. Wir stellen ein Glas Wasser auf die Mittelkonsole und fahren einen Parcours von 16 Kilometern, bergauf, bergab, Kreuzungen, Ampeln, ausserorts und innerorts. Kein Tropfen darf überschwappen. Und dann: Geschafft! Die Messgeräte zeigen einen stark reduzierten Schnapsverbrauch und das elektronische Pendel zeigt noch einen weiteren, fast ungeahnten Vorteil auf: Die Kotz-Quote in einem Bus wäre auf praktisch null gesunken, weil die Fahrweise nahezu frei von Lastwechseln, Brems- und Beschleunigungskräften war. Und nun staune man: Die erste Runde fährt man im Kurs so, wie man es immer tat. Die zweite Runde nach allen Regeln der Kunst und eben mit dem ominösen Glas Wasser. Die zweite Runde dauerte in meinem Fall gerade mal 35 Sekunden länger!!! Wieviele Stress-Kilojoule ich dabei eingespart habe, konnte leider nicht auch noch gemessen werden, aber auch dieser Faktor dürfte - auf einen ganzen Arbeitstag hochgerechnet - immens sein. Daher: Free Eco-Drive-Training für jeden PW-Fahrer!
Anhang: Der Eco-Drive-Kurs für Trucker beinhaltet - je nach Anbieter - zusätzlich zahlreiche technische Details wie etwa die Funktionsweise des Wandlers in Automatik-Getrieben, das Ad-Blue-System bei Euro5 Aggregaten etc.

Donnerstag, 26. November 2009

Clichees, die keine sind


Feministinnen und Gutmenschen sollten diesen Beitrag vielleicht besser nicht lesen. Es geht nämlich um das, was besagte Gruppen als Clichees, Trucker aber als tägliche Realität bezeichnen. Doch trotz aller Maulkorb-Wut der Linken und Netten suchen Sie hier vergebens nach einem Vorwand für eine Rassismus-Klage.

Zunächst etwas erfreuliches: Neulich durfte ich fast so etwas wie Trucker-Weihnachten feiern. Ein Audi-Fahrer hat mir nämlich freundlich den Vortritt gewährt! Den hätte ich zwar schon von Gesetzes wegen gehabt, aber Xenonleuchten sind die bekanntesten Drängler und Egoisten, speziell wenn die Karren aus Bayern stammen oder eben vier Ringe tragen. Der absolute GAU ist die Kombination der drei "A": Audi, Aargauer Nummernschild und Abstehende Ohren. Was ich mit letzterem meine, müssen Sie schon selbst herausfinden...

Über Manta-Fahrer kann man heutzutage leider nicht mehr ablästern; es gibt sie nicht mehr. Aber all die herrlichen Manta-Witze kann man eins zu eins auf die Tuning-Bubis ummünzen. Sie sind punkto Intelligenz und Schrottquote den Manta-Fahrern ebenbürtig. Nur dass ihr Akzent etwas östlicher klingt.

Überhaupt philosophiert man auf langen Cruises hin und wieder über die Frage, was denn mehr Todesopfer forderte: Der tragische Balkan-Krieg oder der absolut unfähige aber nahezu kriminelle Fahrstil in und aus dieser Region.

Begegnet Ihnen auf offener Strasse ein Offroader, können Sie nur hoffen, dass der Fahrer ein Förster, Bootsbauer oder Bauunternehmer ist. Denn diese benötigen für ihren Job ein solches Fahrzeug und können damit auch umgehen. Trägt der Fahrer aber eine Kravatte, nehmen Sie Abstand! Denn in diesen Kreisen fährt man den SUV nicht, weil man ein besonders guter Fahrer ist. Eine blondierte, arme, reiche SUV-Mami brachte es neulich auf den Punkt mit der Aussage, sie möchte ihre Kinder mit einem sicheren Auto in die Schule bringen (!). Vom Tussi-Deutsch ins richtige Deutsch übersetzt heisst das: "Ich kann halt nicht so gut Auto fahren und brauche deswegen einen Panzer." Da lobt man doch den Mut jener Tussis, die noch keinen Karriereheini heiraten konnten, aber trotz Talentfreiheit stoisch und todesmutig einen Kleinwagen steuern (siehe dazu auch meinen Beitrag "Tussi" vom Dezember 2008).

A propos Östrogen. Der einzige Parkplatz, der letzthin vor dem Aldi noch frei war, war etwas eng, weil die Nachbarin auf der rechten Seite ihr Auto direkt auf die Markierung stellte. Dass sie bei ihrer Rückkehr aus dem Laden kaum noch einsteigen konnte, verdankt sie wohl kaum der Grösse meines PWs, sondern ihrer eigenen Parkierkunst. Was sie allerdings nicht daran hinderte, mich als "rücksichtslos" zu betiteln. Tja, Lady, wenn Sie so bumsen, wie Sie parkieren, kriegen sie ihn nie rein...

Vielleicht geht's ja im Kreisel besser. Aber denkste. Madam blinkt im Kreisel drin, und zwar links! Und plötztlich - schwupp! - ist sie aus dem Kreisel raus, immer noch links blinkend. Zur Repetition: Im Kreisel wird NICHT geblinkt, man kann ja eh nur in eine Richtung fahren. Aber vor dem Verlassen des Kreisels wird dies mittels Blinker angekündigt, damit der wartende Verkehr losrollen kann. Aber es ist nicht nur das Östrogen, welches einem vom korrekten Kreisel-Fahren abhält; auch viele Testosteron-Träger bekunden Mühe damit.

Und Testosteron kann noch etwas ganz anderes: Einem Truck am Arsch kleben und mittels Lichthupe anzeigen, man möchte doch bitte etwas schneller fahren. Notabene ohne zu bemerken, dass man auf diese Weise genau im toten Winkel des Trucks ist und von dessen Fahrer kaum bis gar nicht bemerkt wird. Und nun raten Sie mal, wieviele "A" bei diesem Fahrer vereinigt waren...

Samstag, 3. Oktober 2009

Der Star-Chauffeur


In fast jedem Transportbetrieb gibt es ihn. Manchmal sogar in mehrfacher Ausführung: Den Star-Chauffeur. Und obschon er diese Ansicht ganz und gar nicht teilt, ist er für die restlichen Kollegen DER absolute Gräuel. Doch woran erkennen wir die Diva unter den Truckern?

Rein äusserlich gibt es nur wenige und ungenaue Merkmale eines Star-Chauffeurs. Man könnte zum Beispiel den Seehund-Schnauz nennen. Allerdings ist dies ein recht ungenaues Indiz, denn nicht jeder Star-Chauffeur trägt eine Gesichtsbehaarung und in der Praxis trifft man gelegentlich auch mal auf einen äusserst angenehmen Seehund-Schnauz-Träger. Ein etwas sichereres Merkmal sind die Zoggeli an den Füssen. Etliche Star-Chauffeure bestehen auf diese Fussbekleidung, obschon sie (die Zoggeli) einen sowohl ästhetisch als auch sicherheitstechnisch das nackte Grausen lehren. Um die Star-Chauffeure auch im Winter zu befriedigen, haben findige Hersteller nun gar ein Modell mit Fellbezug auf den Markt geworfen.

Im Betrieb ist der Star-Chauffeur eigentlich ein recht angenehmer Zeitgenosse, denn er spricht Sie kaum je an. Wieso auch, er kennt Sie ja fast nicht, die einzige Gemeinsamkeit ist der Arbeitgeber! Beim Kreuzen wird sich der Star-Chauffeur auch kaum zu einem Gruss erniedrigen, insbesondere wenn Ihr Truck kleiner oder weniger Customized ist als seiner! Was natürlich keineswegs bedeutet, dass der Star-Chauffeur Sie ignoriert! Nein, ganz im Gegenteil! Im Klandestinen wird jeder Ihrer Handgriffe penibel überwacht und Ihr Truck wird jeden Abend diskret aber gründlich nach neuen Kratzern oder Beulen untersucht. Der Star-Chauffeur braucht das, um seinen Diva-Status gegenüber sich selbst und seinen Kollegen zu bestätigen! Denn ER macht schliesslich weder Kratzer noch Beulen in seinen Truck, sondern kommt extra sogar Samstags in den Betrieb, um die Chromfelgen, welche er notabene aus dem eigenen Sack bezahlt hat, zu polieren. Oder er nimmt den Truck übers Wochenende gleich mit nach Hause, um stets in seiner Nähe zu sein. Und vielleicht auch um den Nachbarn zu zeigen, dass er ein Star-Chauffeur ist.

Hin und wieder treten Star-Chauffeure in Gruppen auf, etwa an den Stammtischen berühmter Trucker-Kneipen oder an Festivals. Dann sind sie allerdings nicht mehr so humorlos und ruhig, sondern übertrumpfen sich mit Geschichten und Erlebnissen. Das Thema? Natürlich Trucking! Hin und wieder werden dann auch Patzer zum Besten gegeben, allerdings nie eigene, sondern stets solche von (nicht anwesenden) Kollegen. Das sind natürlich alles Trottel, die nichts können ausser - siehe oben - Kratzer und Beulen in den Truck zu machen und sowieso ist es ja schade, ausgerechnet dem einen solchen Truck zu geben und überhaupt! Und jeder in der illustren Runde kann noch besser rückwärts fahren und hat noch mehr erlebt und hat die Polizei noch cleverer ausgetrickst und versteht noch mehr vom Gewerbe und ist der noch grössere Platzhirsch.

In den inzwischen obligatorischen Weiterbildungskursen für Trucker findet sich auch hin und wieder ein Star-Chauffeur. Sie outen sich im Gremium auf zwei verschiedene Arten: Entweder lassen sie den Kurs schweigend und stoisch über sich ergehen, da sie ja ohnehin schon alles können und den Kurs im Gegensatz zu allen anderen gar nicht nötig hätten. Oder sie versuchen ebendies zu beweisen, indem sie sich mit dummen Fragen, halbwitzigen Zwischenbemerkungen oder Zündeleien gegen den Dozenten profilieren.

Wie gesagt, die beschriebene Spezies existiert tatsächlich und ist keineswegs vom Aussterben bedroht. Obschon zumindest wir Mavericks unter den Truckern einen grossen Bogen um die Star-Chauffeure machen oder uns zumindest hinter vorgehaltener Hand den Ranzen über die Diven volllachen.

Samstag, 22. August 2009

Merz oder Recht?


Also wirklich, es fängt an, total Spass zu machen in der Schweiz. Ich meine, ich muss Ihnen unbedingt erzählen, was mir neulich so passiert ist. Da fahre ich mit meinen lächerlichen 50 Tonnen durch Genf. Von der Route du Nant d'Avril biege ich - da eilig - quietschend auf den linken Rädern in die Route de Satigny ein. Naja, da ist zwar 50 KmH markiert, aber ich habs eilig und drücke den Truck auf die Plombe, also auf 90. Wo liegt das Problem?

Und dann blitzt mich doch tatsächlich so ein dämlicher Blechsheriff. Sein biologischer Kollege trampt mir - die Frechheit auf die Spitze treibend - einige Meter weiter vorne vor den Truck und nötigt mich zu einer Vollbremse. Er und seine Kollegen demütigen mich in der Folge zutiefst, indem sie meine Tachoscheibe sehen wollen, die Ladung und deren Sicherung begutachten, mich dem Untersuchungsrichter zuführen wollen und auch noch verhören!!!

Bei einer Grossbäckerei in der Nähe habe ich dann die Serviererin höflich in meine LKW-Kabine gebeten und dann den Truck verriegelt. Tja, mitten auf der Strasse.

Dann rief ich Bern an. Zunächst wollte ich mit einer Person sprechen, welche dem Clown Dimitri sowohl optisch wie auch politisch sehr ähnlich sieht. Diese Person konnte mir allerdings nicht helfen, da sie - im Gegensatz zu Dimitri - gerade an einer Kopftuchmodeshow war, um sich für den nächsten Besuch eines Clochards im näheren Osten zu rüsten.

Stattdessen wurde ich mit einem Klon von Louis de Funès verbunden. Ich forderte von diesem Typen, dass meine Busse mit sofortiger Wirkung aufgehoben würde. Ferner sollte er sich demütigst öffentlich bei mir entschuldigen, wofür auch immer. Ich bat ihn ausserdem, sich meinen Truck zu merken, auf dass ich IMMER überladen durch Genf rasen darf, ohne je wieder belangt zu werden. Der blitzende Blechpolizist soll öffentlich verschrottet werden und die ausführenden Beamten sollen fortan bei der städtischen Müllabfuhr arbeiten. Ein unabhängiges Gericht (welches von meinem Papi bezahlt wird) soll des weiteren beweisen, dass ich von der Genfer Polizei ungerechtfertigt beleidigt und mein Truck maschinenverachtend gefoltert wurde.

Dieser Funès-Klon, der sich dann als Herrn April vorstellte, sprach bei einem unserer Hilfs-Lageristen vor und unterzeichnete meine Forderungen, schmierte dann noch schnell unsere Hubstapler und wischte mit seinen Hosenbeinen als Dank für unsere Gastfreundschaft noch unseren Boden.

Ach ja, und die Tussi in meinem Truck? Hey, die ist nicht nur sympathisch und sexy, sondern auch wertvoll! Und über die steht gar nichts im Vertrag zwischen dem Hilfsmagaziner und Herrn April! Die behalte ich noch eine Weile. Will ja schliesslich auch meinen Spass.

Und am nächsten Morgen bin ich in meiner Kabine aufgewacht und habe bemerkt, dass ich ja gar kein Kameltreiber bin und deshalb selbst eine kleinste Verfehlung schmerzlich verantworden muss.

Mittwoch, 5. August 2009

Mistgewerbe Gastgewerbe


Mit ziemlich schlechtem Gewissen nehme ich zur Kenntnis, dass ich seit Mai keinen Beitrag mehr gepostet habe. Das mag daran liegen, dass ich kaum noch on the road war. Dies soll aber keine Ausrede sein, denn an Themen hätte es mir wahrhaftig nicht gefehlt. Nun aber gehe ich, nach drei Monaten im Gastgewerbe, wieder auf Achse. Hier ein kleiner Rekurs auf die letzten drei Monate:

Meine Mini-Odysee durch die Gastronomie (mit all ihrer Eventitis und Schicki-Micki-Gebahren) zeigte mir eindrücklich, dass das Gros der Menschheit tatsächlich noch blöder ist, als man gemeinhin denkt. Beispielsweise folgende, alltägliche Dialoge. Kellner: "Guten Tag!" Gast: "Flasche Bier." Mit der Zeit sagte ich dieser Art Gast, ich hätte nicht nach seinen Wünschen gefragt, sondern ihn erst einmal begrüsst. Oder dies. Kellner: "War das Essen gut?" Gast: "Kafi Creme."

Oder jene, welche kaum richtig sitzen und schon händeringend nach dem Service rufen. Ey Leute, das Servicepersonal sieht Euch auch so und kommt, sobald es kann! Und wenn Ihr keine Zeit habt, geht gefälligst in eine Selbsbedienungs-Kneipe!

Am schlimmsten sind jeweils die Sonntags-Gäste. Während man unter der Woche noch den einen oder anderen Geschäftsmann bedient, werden die Kneipen an den Wochenenden von den Ausflüglern und Bünzli-Familien bevölkert. Man hat gemeinhin ein etwas niedrigeres Budget und hat null Erfahrung im Auswärtsessen, muss aber unbedingt trotzdem in eine Beiz. Das zeigt sich dann an den langen Gesichtern der Gäste, sobald sie die Preise auf einer schönen Terasse sehen. Und der Konsumation. Das Eis wird grundsätzlich mit zwei Löffeln bestellt, der Tisch aber stundenlang blockiert und von den Bälgern mit Schoggisauce verschmiert.

Interessant ist auch festzustellen, dass die Sonntags-Gäste oft sehr in Eile sind. Da kann man ganze Tischreihen beobachten, welche mit erhobenem Finger verzweifelt nach dem Service rufen, aber die Jacke noch nicht mal ausgezogen haben. Und wieder: Nehmt Eure Finger runter. Man hat Euer Kommen längst bemerkt und wird sich zu gegebener Zeit um Euch kümmern.

Und dann gibt es noch jene, welche trotz gutem und freundlichem Service kein Trinkgeld geben. Oder noch schlimmer: den Rechnungsbetrag von CHF 149.90 auf 150.00 aufrunden lassen. Letzteren gab ich die 10 Rappen jeweils wieder zurück, da ich das offensichtlich sehr bescheidene Haushaltsbudget nicht noch weiter belasten wollte. Man wundere sich nicht, wenn man beim zweiten Besuch des entsprechenden Lokals nicht mehr ganz so aufmerksam bedient wird. Priorität haben immer jene Gäste, von denen man weiss, dass sie ein angemessenes Trinkgeld springen lassen.

Nun ist der Gast ja von Gesetzes wegen nicht verpflichtet, dem Service ein Trinkgeld zu geben. Trotzdem gebietet der Anstand die Honorierung eines guten Services. Insbesondere wenn man bedenkt, dass der Geschäftsführer eines Hauses, welches zu einer Gastro-Kette gehört, weniger verdient als ein stinknormaler Trucker, aber locker auf 12-Stunden-Tage kommt. Da darf man sich getrost überlegen, was ein Serviceangestellter ende Monat so bekommt, trotz der dämlichen Gewerkschafts-Erfindung "Service imbegriffen".

Und dann war da noch das Frühstücksgeschmiere, die "helle-Schale-koffeinfrei-Süssstoff-Omas", die möchtegern-mondänen Latte-Machiato-Tussis, die jungen Mamis, die mit ihren Offroad-Pampers-Schubkarren die ganze Terasse blockieren und die deutschen Bus-Touri-Rentner aus dem Schwarzwald, die nicht kapieren, warum wir ihre Euros nur in Scheinen akzeptieren und das Rückgeld in Schweizer Franken ist. Mache, wer wolle, das Mistgewerbe Gastgewerbe ist für mich out. Ausser als Gast. Und zwar als möglichst angenehmer.

Wow, ist so ein Truck unkompliziert!

Dienstag, 14. April 2009

One Night in Bangkok


Truckern unterstellt man hin und wieder gewisse Dinge. Thailand im allgemeinen und Bangkok im speziellen ebenfalls. Verknüpft man nun diese Unterstellungen miteinander, könnte man leicht zum Schluss gelangen, dass ich Ostern aus einem ganz speziellen Grund in Bangkok verbrachte. Dies sei hiermit in aller Klarheit dementiert!

Im Vorfeld meines Städtetrips wurde mir von verschiedenster Seite beschieden, dass Bangkok - bei allem Charme - eine sehr hektische, lärmige und chaotische Stadt sei. Der Verkehr breche regelmässig zusammen und damit das gesamte System der Stadt. Vorab: Mit dem Truck möchte man nicht unbedingt bis ins Stadtzentrum vordringen.

Ich erlebte den Verkehr allerdings als recht gesittet und diszipliniert. Es wird höchst selten gehupt, man sieht keine verworfenen Hände, keine Stinkfinger, keine Schreihälse. Zumindest empfand ich dies so. Das mag natürlich daran liegen, dass ich mit dem Truck des öfteren im Zürcher Stossverkehr hängenblieb und mich deshalb einiges gewohnt bin. Und tatsächlich: Am Freitag blockierten Demonstranten die Strassen rund um das Victory Monument und mein Taxi stand eine knappe Stunde still. Man wähnte sich tatsächlich eine kurze Zeit in Zürich, ausser eben dass die Thais weder hupten noch fluchten noch drängelten.

Der öffentliche Verkehr funktioniert hervorragend, die Metros sind blitzsauber und sicher, der Sky-Train beschert einem nebst einem schnellen Vorankommen auch herrliche Ausblicke auf die City. Ebenfalls sehr erlebnisreich und effizient sind die Kursschiffe, welche im 20-Minuten-Takt flussauf und -ab fahren; für gerade mal 13 Bath, also etwa 50 Räppli. Auch Metro und Sky-Train sind ausgesprochen preiswert.

Allerdings ist das Netz des ÖV noch ausbaufähig. Geplant ist ein Sky-Train, welcher vom Flughafen in die Innenstadt führt. Bislang stehen auf dieser Strecke nur Shuttlebusse und Taxis zur Verfügung. Auch grosse Teile der Stadt sind per ÖV nicht erreichbar. Ich liess mir allerdings sagen, dass man das Problem erkannt hat und daran arbeitet. Und Thais sind genauso diszipliniert und arbeitsam wie wir es sonst nur für uns Schweizer in Anspruch nehmen. Sofern es die politische Situation also erlaubt, dürfte es schon bald noch ruhiger und gesitteter zugehen auf Bangkoks Strassen.

Andererseits: Für 100 Bath, etwa CHF 3.50, fährt man mit dem Taxi durch die halbe Stadt.

Dienstag, 7. April 2009

Die Trucker-Rente


Ich muss um Entschuldigung bitten, dass mein allsonntäglicher Post diese Woche mit massiver Verspätung aufgeschaltet wurde. Der Grund liegt darin, dass ich per 31. März meinen Truck-Schlüssel an den Nagel gehängt habe und nun die Trucker-Rente geniesse. Konkret: Ich war einige Tage ausser Landes und genoss die freie Zeit. Dies wird übrigens auch über Ostern so sein: Ich fliege kurz nach Bangkok, eine Stadt, welche ich schon immer mal sehen wollte.

Aber was macht ein Ex-Trucker nach Jahren auf dem Bock? Die einen bleiben dem Metier treu und fahren selbst in biblischem Alter, als Methusalems, noch Reisebusse. Und parkieren sie gelegentlich am Grossen Sankt Bernhard in einer Apotheke, welche dummerweise direkt in der Kurve steht. Gut möglich, dass der besagte Rentner-Chauffeur dort noch schnell sein Insulin beziehen wollte. Ich meinerseits hätte wohl eher die Kneipe gleich nebenan bevorzugt.

Andere Ex-Brummer geniessen die Früchte ihrer langen Fahrt im Schrebergarten, am Stammtisch oder im Kegelclub, während Sport in unseren Kreisen eigenartigerweise wenig gepflegt wird. Eigenartig deshalb, weil sich gerade im Bereich Überland-Trucking ein eklatanter Bewegungsmangel einstellt.

Da ich meinerseits noch zwei, drei Jährchen zu jung bin um gänzlich die Arbeit niederzulegen, beschloss ich, bei einer Kneipe anzuheuern. Wobei ich mit "Kneipe" doch ein ziemlich gehobenes Etablissement meine. Selbstverständlich werde ich diesen Blog als Ex-Trucker weiterführen, die Themen dürften allerdings in Zukunft allgemeiner gehalten sein und nicht mehr ausschliesslich vom Trucking handeln. Aber zuerst mal fliege ich, wie gesagt, nach Bangkok. Frohe Ostern allen!