Sonntag, 29. März 2009

Die Gümmeler


Kaum lugen scheu die ersten Sonnenstrahlen durch den grauen Winterhimmel, kriechen sie aus allen Löchern und bevölkern die Strasse, gleich Insekten, die bei der ersten Wärme schlüpfen und in Scharen die Menschheit piesacken.

Die Rede ist von den Gümmelern. Mit kämpferisch verzerrter Miene strampeln sie bei den ersten Frühlingszeichen wieder gegen ihre Midlife-Crises und den Winterspeck an. Radstreifen und sonstige Verkehrsregeln werden konsequent ignoriert, da nur (und das sei betont!) der Asphalt der eigentlichen Strasse zart genug ist um die Collies nicht zu beschädigen! Da keiner dem anderen eine Windschattenfahrt gönnt, strampeln die Gümmeler mit Vorliebe nebeneinander. PW-Fahrer mögen dies verständlicherweise nicht besonders, aber wer sich beschwert, erntet mindestens einen Stinkfinger. Als Trucker wiederum bin ich froh, wenn die strampelnde Zunft nicht hintereinander fährt, denn ich muss eh auf die Gegenfahrspur, um Gümmeler zu überholen. Umso kürzer das Fahrerfeld, umso schneller kann ich wieder einspuren.

Ein Vermuthstropfen: Der Anblick eines Gümmelers ist höchst erbaulich! Noch ist das sexy Gummistrampelhöschen wegen den kühlen Temperaturen lang geschnitten, ähnlich wie Leggins. Über die Sidi-Schalenschühchen trägt der Gümmeler aus demselben Grund eine Art Söckchen; nicht selten sogar in Weiss! Die Augen werden von einer windschlüpfrigen, orange-beglasten Brille verdeckt und auf dem Kopf tragen die Strampler einen salatschüssel-ähnlichen Helm, der an Komik nur noch durch das nach hinten spitz zulaufende Modell von Tony Rominger getoppt werden kann. Man stelle sich einen Komiker vor, der so gekleidet auf die Bühne tritt. Er müsste kein Wort sagen und hätte trotzdem jeden Lacher garantiert!

Nun ist Radfahren zweifellos ein wunderschönes Hobby. In den Bergen, mit dem Bike. Aber bislang konnte ich noch nicht herausfinden, was daran so toll sein soll, mitten in den Abgasen des motorisierten Verkehrs einen Hochleistungssport zu betreiben. Ganz abgesehen vom (oft selbstverursachten) Stress mit wütenden Automobilisten und der hochkonzentrierten Dopingbelastung! Und letztere soll ja bekanntlich sogar Hodenkrebs geben. Allerdings soll es sich dabei scheints um ein mutiertes Karzinom handeln, mit welchem man sogar noch Strampel-Weltmeister werden kann. Aber eben nur, wenn der Dopingblutspiegel stimmt.

Die Antwort auf diese Frage muss offenbar tatsächlich bei den Midlife-Crises und dem Winterspeck gesucht werden. Oder bei seniler Bettflucht oder einer Reiherente (berndeutsch für eine nicht mehr so furchtbar geliebte Ehefrau) zu Hause. Aber mir kann's ja egal sein; meine Truckerzeit nähert sich dem Ende zu. Also Gümmeler: Bald schon einen Feind weniger auf der Strasse!

Dienstag, 17. März 2009

Einblick in die Novartis-Mentalität

Letzten Dienstag hatte ich das zweifelhafte Glück, eine Komplettladung an die Novartis Sankt Joseph in Basel liefern zu dürfen. Mangels Ausschilderung der Warenannahme in diesem gigantischen Firmenareal (siehe Bild) folgt der ortsunkundige Trucker dem Schild "Novartis Campus". Dort befindet sich tatsächlich ein Tor mit Portier - aber auch ein LKW-Verbot. Der "Campus" ist offenbar der Eingang für die höheren Kader von Novartis, zumindest anhand der dort anzutreffenden Kravattendichte. Der freundliche Portier erklärte mir aber sehr routiniert den Weg zum Zentralmagazin, was mich allerdings mitten auf dem Platz zu einem Wendemanöver mit meinem Anhängerzug nötigte.

Offenbar fühlte sich ein kravattierter BMW-Offroader-Fahrer bei seiner Einfahrt in den "Campus" durch meinen Truck etwas behindert, was ihn beim Kreuzen veranlasste, mich mit "you are an asshole!" zu begrüssen. Nachdem ich diesem Schlipsfritz auf die selbe Art und in der selben Sprache meinerseits einen guten Tag wünschte, überlegte ich mir, ob dieser wohl ein Exemplar jener ach so wertvollen, gut ausgebildeten Immigranten ist, welche den Beführwortern der Freizügigkeit die Argumentation lieferten und ohne die wir Schweizer ja ach so arm dran wären. Wenn ja, dann geraten vor allem Linke in einen Gewissenskonflikt: Handelt es sich hierbei um die von Linken fast vergötterte Arroganz der Konzerne und des Kapitals, oder ist dieser Schnösel lediglich ein armer reicher Immigrant, der sich mit unseren Gepflogenheiten halt noch nicht so gut auskennt?
So oder so, ich stehe dazu, dass sich meine Abneigung gegen die Freizügigkeit seit vergangenem Dienstag noch ein wenig intensiviert hat. Ferner fragte ich mich, was diesen Kravattenständer veranlasste, so die Kontrolle über sich zu verlieren. Und da gibt es verschiedene Möglichkeiten. Wie wär's mit mit einem zu hohen Konsum von Novartis-Produkten? Unsinn; bleiben wir ernst.
Eine Möglichkeit besteht darin, dass besagtes Alphatierchen ein Morgenmuffel ist. Es war ja schliesslich auch erst etwa halb Zehn, und es ist hinlänglich bekannt, dass dies für etliche Büroheinis noch mitten in der Nacht ist. Ist ja auch wahr: Da stürcheln hunderte rotgekleideter UNIA-Funktionäre durch die Produktionshallen und heulen auf, wenn ein Arbeiter schmutzige Finger bekommt. Aber wenn Herr Vasella die unmenschliche Unverfrorenheit besitzt, seine Kaffe-und-Gipfeli-Sitzungen in aller Hergottsfrühe um Zehn anzusetzen und auch noch Pünktlichkeit erwartet, dann ist das den UNIA-Typen egal. Da muss man ja jemanden als Arschloch betiteln.
Es könnte auch sein, dass Schlippsie pikiert war, weil er "nur" einen BMW-Offroader statt einen Porsche Cayenne als Firmenwagen zur Verfügung gestellt bekam. Das weist ihn nämlich lediglich als mittleres Kader aus, wenn man SRG Idée Suisse als Referenz nimmt. Besonders schmerzlich ist diese Erkenntnis, wenn man bedenkt, dass das Fahrzeug, welches ich an jenem morgen durch den "Campus" steuerte, teurer ist als BMW und Porsche zusammengezählt. Und dass der BMW aus der Perspektive des Trucks ein Kleinwagen ist, dem man vom Fahrersitz aus die Hagelbeulen auf dem Dach zählen kann. Grund genug, den Fahrer des Trucks als Arschloch zu betiteln.
Doch am wahrscheinlichsten ist folgende These: Der Novartis-BMW-Mittelkader-Kravattenständer generiert durch Massnahmen zur Gewinnmaximierung, Optimierung des Shareholder-Values, unpopuläre Entscheidungen, pragmatisches Vorgehen und unglaublich vielen Business-Lunches ungleich mehr Wertschöpfung als etwa ein Trucker, der so gemütlich ein bisschen seine Runden dreht, einem aus reinem Spass hin und wieder in den Weg steht, sich gelgentlich mal ein Elefantenrennen genehmigt und sich ansonsten ein schönes Leben gönnt. Und wer so genial und global wichtig ist wie Nadelstrefen-Charly, dem fällt Bescheidenheit zuweilen schwer. Ja, das ist schliesslich der Manager-Stress, wenn mal wieder das Patent für ein Medikament abgelaufen ist und die Alte auch noch Migräne hatte. Und dann kommt einem noch so ein tätowierter Trucker geschliffen, bloss weil man ihn als Arschloch betitelte!
Das Schöne an der ganzen Sache ist: Bei Novartis-Kaderleuten weiss man offenbar stets, woran man ist. Und was man von letzteren halten muss. Wenn sich dereinst bei mir die typischen Trucker-Beschwerden wie Rückenprobleme und dergleichen bemerkbar machen, kann ich nur hoffen, dass mich Novartis als Kunden oder Patienten und nicht als Arschloch bezeichnet.

Sonntag, 15. März 2009

Musik im Truck


Trucker hören Countrymusik. Punkt. Soweit das Clichée. Dies mag zuweilen sogar zutreffen, insbesondere an Festivals, obschon auch dort Jahr für Jahr weniger Cowboys rumstiefeln. Dass nun aber in jeder Kabine Hank Snow oder Johnny Cash aus den Boxen scheppert, ist das Wunschdenken von Trucker-Romantikern. Aber woher stammt dieser musikalische Vergleich zwischen Cowboys und Truckern?

Es ist denkbar, dass in beiden Branchen ausnehmend viele Mavericks arbeiten, dass in diesen Berufen das Freiheitsgefühl besonders gross und die Kameradschaft intensiver ist als in anderen Arbeitsbereichen. Viel mehr Gemeinsamkeiten zwischen Cowboys und Truckern sehe ich beim besten Willen nicht.

Dennoch; die amerikanischen Trucker verkörperten mit ihren chromblitzenden Dieselvernichtern während Jahrzehnten das Symbol des American Way of Life und der grenzenlosen Freiheit. Genau dies wurde in den Cowboy-Songs auch besungen, beispielsweise von Michael Martin Murphey. Als Trucker wie ein gewisser Dave Dudley und seine Kumpels auf ihren Gitarren amerikanische Volklore spielten, die Cowboy-Texte aber zu Highway-Texten umschrieben, begann der Siegeszug der Trucker-Country-Songs. Dank Künstlern und Bands wie Truck-Stop, Jeff Turner, Tom Astor oder dem leider vor einiger Zeit verstorbenen John Brack ist dieses Genre auch in Europa längst ein fester Bestandteil der Musik-Szene. Und die meisten Cowboys an den Truck-Festivals sind gar keine Trucker, sondern Country- und Western-Fans.

Vielleicht wollen Sie wissen, was in meiner Hütte läuft. Und ich muss Sie enttäuschen: Praktisch keine Country-Musik. Zwischendurch DRS3, wegen der Nachrichten, den Verkerhsmeldungen und der Tatsache, dass ich diesen Sender praktisch in der ganzen Schweiz empfangen kann. Aber mit Sicherheit nicht wegen den Musikredaktoren, die einen von ihnen für gut befundenen Song so oft abspielen, dass er einem mit der Zeit wie gelber Eiter aus den Ohren trieft und man sich tunlichst hütet, die entsprechende Single käuflich zu erstehen (aktuelles Beispiel: The Boy does Nothing von Alesha Dixon- äääächz!!!).

Normalerweise aber lasse ich die Damen und Herren Dream Theatre, Savatage, Annihilator, Oceana (nein, nicht die Pop-Tussi, sondern die Rockband), Whithin Temptation oder gelegentlich Iron Maiden krachen. Und wenn es eine romantische Sonnenuntergangs-Fahrt mit Arizona-Feeling sein soll, dann darf auch mal die 80-er Popsirene Sandra ihre vor Sehnsucht und Fernweh triefende Girlie-Stimme durch die Boxen hauchen. Dave Dudleys akustische Droge fährt erst dann ein, wenn man dazu real in einem Pick-Up durch das Monument Valley brettert.

Sonntag, 8. März 2009

Parkplatznot


Das vermutlich grösste Problem im Alltag des Truckers ist der akute Mangel an LKW-Parkplätzen. Wer mit einem Anhängerzug oder einem Sattelmotorfahrzeug daherkommt, der parkiert nicht einfach eben in der blauen Zone um sich am Kiosk ein Snickers zu kaufen. Nein, es bedarf einer ziemlich grossen Fläche, um das Fahrzeug auch nur für ein paar Minuten abzustellen.

Dabei ist zu beachten, dass Berufsfahrer gesetztlich geregelte Zwangspausen einhalten müssen. Tun wir dies nicht, bezahlen wir - sofern wir dabei ertappt werden - ein schönes Scherflein an die Saläre unserer Freunde und Helfer. Nach meinem Rechtsverständnis ist es allerdings so, dass der Gesetzgeber dem Bürger die Möglichkeit geben muss, die Gesetze auch einhalten zu können. Wenn ich aber mangels Parkplätzen meine Zwangspausen nicht einhalten kann, dann ist dies meines Erachtens nicht der Fall und der Trucker sollte nicht gebüsst werden können. Zumindest sofern er nachweisen kann, dass er vergeblich einen freien Platz suchte. Naja, die Praxis ist halt auch hier etwas anders.

Eine andere Facette dieses Problems ist der Anhänger. Muss man eine Innenstadt beliefern oder eine Firma, bei deren Bau der Architekt vergass, dass ein LKW ein paar Zentimeter grösser ist als ein Smart, tut man gut daran, den Anhänger irgendwo zu deponieren und das Ziel nur mit dem Motorwagen anzufahren. Doch wo soll man den Rucksack hinstellen? Ein absolutes No-Go ist meiner Meinung nach der Parkplatz eines Trucker-Restaurants (ausser man nimmt dort das Mittagessen ein und fragt den Wirt höflich um Erlaubnis). Ebenfalls ungeeignet ist eine Raststätte, da man dort mit dem Anhänger einen Parkplatz blockiert, der vielleicht für eine Zwangspause dringend benötigt würde.

Die idealen Parkplätze bei Einkaufscentern, Industriezonen und dergleichen werden nach und nach für LKWs gesperrt, das heisst, die Zufahrten werden entweder mit Balken auf zwei Metern Höhe oder mit Granitblöcken für Trucks unmöglich gemacht. Wieso dies so ist, entzieht sich meiner Kenntnis, aber der Verdacht der reinen Schikane gegenüber Truckern drängt sich fast penetrant auf.

Ist man gezwungen, auf einer Raststätte zu übernachten, empfiehlt es sich dringend, sich spätestens um 17.00 dort einzufinden, weil man danach kaum noch einen freien Parkplatz findet. Freilich kann man drängeln, quetschen oder den LKW bis zur Einfahrt in die Raststätte an den Strassenrand stellen, den Arsch beinahe draussen auf der Autobahn. Eine ruhige Nacht hat man dann aber nicht mehr; mit einem Auge ist man stets wach und bereit, die Karre auf polizeiliches Geheiss wegzustellen.

Dieser leidige Trend löst einen Teufelskreis aus. Mangels Parkplätzen für Trucks und Anhänger sind die Trucker gezwungen, immer frecher und agressiver zu parken, was Anwohner und Grundbesitzer wiederum verärgert und sie veranlasst, noch mehr Granitblöcke oder Balken zu verlegen.

Angesichts dieser Situation muss sich KEIN Pw-Fahrer, Camper oder Handwerker wundern, wenn er seine Laube auf einen LKW-Parkplatz stellt (siehe Foto oben) und dann von Truckern ziemlich übel angepfiffen wird. Denn kleine Fahrzeuge - auch Wohnmobile und Caravans - haben auf Truck-Parkplätzen DEFINITIV nichts verloren.

Donnerstag, 26. Februar 2009

Für kleine Jungs - on the Road


Vor einiger Zeit schrieb ich über Scheisstage und wie ein klassischer Scheisstag idealerweise aussieht. Ich ging allerdings nicht auf jene Tage ein, welche die Bezeichnung "Scheisstag" ausschliesslich des Wortes wegen verdienen. Dies sei hiermit nachgeholt.
Diese Tage beginnen normalerweise kurz nach vier Uhr Morgens, nach dem ersten Kaffee, mit einem fiesen Gurgeln im Achterschiff-Bereich. Sozusagen ein gastrales Grüsslein vom Vorabend. Man entledigt sich dieses Gurgelns elegant und bequem auf dem heimischen Klo, ehe man das Haus verlässt.
In der Bude, nach dem Genuss einer chemischen Brühe, welche unter dem Label "Automatenkaffee" verkauft wird, macht sich das Gurgeln abermals bemerkbar. Man wusste es ja schon immer: Finger weg von diesem scheusslichen Blechmonstrum mit seinen ekligen Ausscheidungen, welche auch noch den Geruch des Plastikbechers annehmen. Und trotzdem tut man es immer wieder. Aber auch hier ist die Lösung des Problems ausgesprochen unkompliziert: Die Latrine ist gleich um die Ecke.
Dann aber, pünktlich um fünf Uhr, beginnt der Cruise. Nach etwa einer Stunde dann das erste Hüngerchen. Man erlabt sich an Schokolade oder an meinem persönlichen Suchtmittel: Kiloweise Basler-Läckerli. Doch dann, ohalätz: Gurgelrumpelgurgel! Und das ausgerechnet noch mehrere Lichtjahre vom nächsten Parkplatz entfernt!
Endlich kommt das erlösende blaue Schild mit dem weissen "P" drauf in Sicht. Noch tausend Meter, noch fünfhundert; der Tempomat noch immer auf Lichtgeschwindigkeit eingestellt, im letzten Moment eine Punktlandung mit Sicherheitsgurt-Belastungsprobe. Um dann festzustellen, dass sämtliche Truck-Parkplätze belegt sind; vornehmlich mit Wohnwagen.
Also wieder beschleunigen, weg hier, durchhalten, der nächste Parkplatz ist nur einige Sonnensysteme weit entfernt. Das Gurgeln nimmt eine bedrohliche Dimension an, insbesondere wenn man erkennen muss, dass dieser Parkplatz wegen einer Baustelle gesperrt ist.
Nun denn, weitergurgeln, bis die Raststätte kommt. Das dauert zwar etwas, dafür ist das Klo dort sauber und angenehm, mit Hintergrundmusik und frei von andersgestrickten Spannern. Aber dafür mit Einfränkler-Automat. Ein Blick in den Geldbeutel zeigt, dass man nur noch über Zehn- und Zwanzigrappenstücke verfügt. Der Wechselautomat wechselt von Gross nach Klein, aber leider nicht umgekehrt. Auch hier scheint so etwas wie eine Hierarchie zu spielen. Und unweigerlich denkt man an eine namhafte Spedition. Nicht bewusst, und nicht, weil sich diese Spedition speziell negativ oder positiv profiliert hätte. Nein, der Name ist es. Das einzige Wort, welches man im Moment nämlich klar denken und aussprechen kann ist "Mmmurrpfff...".
Die freundliche Dame an der Kasse wechselt den Münz-Schrott gerne und der Erlösung steht somit nichts mehr im Wege. Sie (die Dame) verkauft einem auch gerne einen Kaffee danach und zieht dem Preis für die Konsumation den investierten Gurgel-Franken wieder ab. Auf dass dieser Kaffee den ganzen Gurgel-Kreislauf wieder von vorne in Gang bringt.

Sonntag, 22. Februar 2009

Sei mir gegrüsst, liebe Krise!


Nun hat die vielzitierte Wirtschaftskrise auch die Transportbranche erreicht. Endlich haben es die Kravattenständer geschafft, dass auch wir Trucker unseren Fun haben. Es hat lange gedauert, und ich habe schon fast befürchtet, dass es gar nicht eintreffen würde. Aber gemäss neusten Gerüchten können wir beruhigt sein: Auch die Trucker hat's getroffen.

Besagte Gerüchte wissen zum Beispiel, dass der grösste Transporteur der Schweiz dutzende LKWs stillgelegt, respektive die Nummernschilder abgegeben hat. Dass die betroffenen Fahrer nun dank der Wirtschaftskrise sehr viel Freiheit haben, versteht sich von selbst. Dass diese Freiheit auch das Ende der Krise überstehen wird, dürfen die betroffenen Trucker dem Abstimmungsresultat vom 8. Februar verdanken, denn bei der Reaktivierung ihrer Trucks wird bestimmt "Vaclav, Jezdo, Miroslav oder Dildo (Gibt's letzteren Namen überhaupt? Oder klingt er einfach lustig östlich?)" auf dem Namenschild stehen. "Sepp" oder "Franz" wird definitiv zu teuer sein.

Eine andere, uns nicht ganz unbekannte Bude mit Sitz in der Nähe von Dagmersellen (man trifft die braunen Volvo Auto- oder Kühltransporter etwas zu oft auf der linken Fahrspur an) fand - wiederum gemäss glaubhaften Gerüchten - eine andere Methode, teure "Sepps" und "Franzen" loszuwerden. Der Chef persönlich soll mit dem Alk-Testgerät eines Montagmorgens in der Bude gestanden und seine Trucker auf Restalkohol getestet haben. Wohl auf der verzweifelten Suche nach einem Kündigungsgrund. Naja, ICH hätte ihm in diesem Moment sogar einen Grund für eine FRISTLOSE Kündigung gegeben: Ein Veilchen. Aber da ich für besagten Betrieb selbst bei einer Hungersnot nicht arbeiten würde, kann ich über diese Story allenfalls weise nicken.

In unserem Betrieb zeigt sich die Krise etwas kreativer, wenngleich weniger unterhaltsam. Mit Ausnahme des vergangenen Freitags, als mein Chef glaubte, für mich keine Arbeit per Montag zu haben (was sich am Freitag Abend, mitten in meinem Freitags-Besäufnis, als Irrtum herausstellte), waren wir Trucker immer voll ausgelastet.

Mein Pech ist allerdings, dass ich seit drei Monaten einen Anhängerzug fahre, dessen Motorwagen zu allem Übel auch noch mit einer hydraulischen Hebebühne ausgerüstet ist. Da dies nun der Fall ist und man einen Anhängerzug per Definium auch ohne Anhänger bewegen kann, bietet sich ein solches Gerät mit samt Fahrer auch als Stückgut-Schleuder an.

Und Stückgut ist nun wirklich - gelinde gesagt - ein Bisschen anders als meine gewohnte Überland-Tätigkeit. Im Jargon nennen wir das Jugo-Tour und man kommt sich tatsächlich vor wie ein DHL-Jugo mit etwas grösserem Fahrzeug. Kistchen hier, Päcklein dort. Siebter Stock? Mit Vergnügen, der Herr. Im Keller? Ist mir eine Freude, Monsieur! Lieferung gleich montieren? Stets zu Diensten, Gnädigste! Was, der LKW, steht im Weg? Klar, Sir, Ihr Durchfahrtsrecht geht über mein Arbeitsbedürfnis! Und das bis zu dreissig (!) Mal am Tag.

Man überlegt sich dann plötzlich ernsthaft, ob man die Freizügigkeit nicht doch begrüssen sollte. Denn die Polaken, Zigeuner und was weiss ich, zahlen ja auch Sozialbeiträge, sofern sie hier tatsächlich arbeiten. Also könnten sie doch meinen Truck steuern, Stückgut schleudern und mir einen etwas verfrühten, aber äusserst angenehmen Lebensabend finanzieren!

Sei mir gegrüsst, liebe Krise!

Sonntag, 15. Februar 2009

Schleichende Konkurrenz


Eigentlich wollte ich diesen Sonntag über das Abstimmungsresultat von vergangener Woche und die verheerenden Folgen für die Trucker und die gesamte Schweiz lästern. Aber es wurde schon so viel darüber debattiert, dass eigentlich schon alles gesagt ist. Zudem leben wir in einer Demokratie und wenn sich 60 Prozent der Bevölkerung von der EU überrennen lassen will, dann bitte! Schade nur für die vernünftigen vierzig Prozent...

So werde ich nun über einen Stand lästern, mit dem ich mich selbst sehr identifiziere und von dem wir alle sehr abhängig sind. Ich betreibe also nun so etwas wie Nestbeschmutzung.

Die Rede ist von unseren Landwirten, welche die Schweiz mit wertvollen Nahrungsmitteln versorgen, unsere Landschaft pflegen, sieben Tage in der Woche hart arbeiten und täglich ähnlich früh aufstehen müssen wie Trucker. Auch werden Landwirte, ähnlich wie wir Trucker, von den verwöhnten und verweichlichten Städtern eher von oben herab betrachtet. Eine etwas resolute Person "flucht wie ein Lastwagenchauffeur" und eine unelegante Dame "läuft wie ein Bauer", so der Volksmund.

Dabei sind die Erträge in der Landwirtschaft eher gering, und um diese Lebensader zu erhalten, muss der Staat Subventionen ausschütten. Das Einkommen ist oft so gering, dass sich gewisse Landwirte zu einem kleinen, schwarzen Nebengeschäftlein genötigt sehen.

Da die Landwirte über PS-starke Zugmaschinen und Anhänger aller Art verfügen, bieten sich Gelegenheitstransporte geradezu an. Zumal Traktoren, welche maximal 30 KmH laufen, keine LSVA bezahlen müssen. Laufen sie schneller, würden sie theoretisch zahlungspflichtig und der Fahrer müsste die ARV (siehe auch Beitrag "Pausen und Ruhezeiten") erfüllen. Aber man benötigt für sie weder einen LKW-Führerschein noch sind sie mit einem Fahrtenschreiber bestückt. Ebenso wenig fallen sie unter das Nacht- und Sonntagsfahrverbot. Also im wahrsten Sinne des Wortes eine schleichende Konkurrenz.

Nun kann mir als Angestellter das ganze ja egal sein. Es sind eher die Transporteure, welche diese Art von Konkurrenz befürchten, und der ASTAG scheint sich dieses Problems auch bewusst zu sein.

Mich als Trucker interessiert das Wort "schleichend" viel eher. Denn wenn mir über dutzende von Kilometern hinter einem Traktor das Gesicht einschläft, ist es mir egal, ob dieser den eigenen Stallmist ausführt oder zu Dumpingpreisen Dachziegel zur Baustelle bringt. Ein beladener Anhängerzug beschleunigt so langsam, dass man einen Traktor auch auf offener Strasse selten überholen kann, während die wendigen PWs ebenfalls beeinträchtigt sind, weil sie vor dem Traktor zuerst noch den Anhängerzug überholen müssen.

Besonders berüchtigt sind die Bauern im Reusstal zwischen Bremgarten und Sins (wo garantiert täglich ein LKW unserer Spedition Opfer der schleichenden Konkurrenz wird und wo parallel zur Strasse wunderbare Feldwege existieren!) sowie jene im Seeland zwischen Lyss und Kerzers. Bei letzteren könnte man so etwas wie Verständnis aufbringen, befindet sich doch in Aarberg die Zuckerfabrik und die Bauern liefern dort zur Erntezeit ihre Zuckerrüben ab.

Interessant ist die Feststellung, dass Ausweichnischen von den meisten Bauern konsequent ignoriert werden, auch wenn sie kilometerlange Kolonnen hinter sich her ziehen. Hier mein Dank an alle Bauern, welche NICHT in diese Kategorie fallen! Ärgerlich ist hier nämlich die Tatsache, dass man als Trucker schon in der ersten Lektion lernt, dass man bei starken Steigungen (etwa im Brünigpass oder in der Rampe nach Engelberg) nachfolgende Fahrzeuge überholen lässt, sofern eine Nische vorhanden ist. Ein Trucker kann bei Nichtbeachten gar gebüsst werden. Aber offenbar gelten auch hier für Traktoren andere Bestimmungen.

Ich werde mein Stimmrecht auch in Zukunft jederzeit im Sinne der Landwirte wahrnehmen, unterstütze die schweizerische Landwirtschaft wo immer möglich und erfreue mich täglich an deren Produkten. In der Hoffnung, dass damit eine schleichende Konkurrenz unnötig wird und die Bauern mit ihren Traktoren nur noch in allernötigsten Fällen auf die Landstrasse müssen.